Es gibt Lehrer, die ein Kind und seine Eltern ein Leben lang begleiten, auch lange nachdem der Unterricht vorbei ist, weil sie mehr hinterlassen haben als Wissen – nämlich ein Gefühl von Gesehenwerden und Vertrauen. Ich will alle Lehrer ermütigen um so eine positive Position anzunehmen.
Gerade für begabte und hochbegabte Kinder ist die Schule kein neutraler Ort, sondern ein Raum voller Erwartungen (vor allem was Wissen-Input angeht), Hoffnungen und oft auch Unsicherheiten, in dem die Rolle der Lehrkraft eine besondere Bedeutung bekommt.
Viele Eltern verbinden mit Lehrern nicht nur die Vermittlung von Inhalten, sondern die leise Hoffnung, dass jemand ihr Kind wirklich versteht und ihm die richtigen Impulse für seine Entwicklung gibt. Dabei erwartet niemand Perfektion oder tiefes Expertenwissen über Hochbegabung, sondern vielmehr Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, das Kind als Individuum wahrzunehmen und zwar jeden Kind – hochbegabte Kinder haben hier kein Alleinstellungsmerkmal.
In der Realität zeigt sich jedoch häufig, dass die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule nicht selbstverständlich ist, obwohl sie für die Entwicklung des Kindes entscheidend wäre. Ein Dialog an dieser Stelle würde sehr viel bringen und die Arbeit der Lehrer erleichtern. Denn immer noch Eltern sind die Experten für das jeweilige Kind. Sie sehen und erfahren in welcher Laune und mit welcher Motivation das Kind nach Hause von der Schule kommt und nicht umgekehrt. Lehrer dafür besitzen eine besondere, fast unsichtbare Kraft, mit der sie Kinder stärken, inspirieren und ihnen helfen können, ihr Potenzial zu entfalten – oder sie unbeabsichtigt begrenzen.
Ein Kind kann durch einen einzigen unterstützenden Lehrer beginnen, an sich selbst zu glauben, während fehlende Wertschätzung genau das Gegenteil bewirken kann.
Besonders sensible und schnelle Denker, wie es viele hochbegabte Kinder sind, reagieren stark auf die Haltung ihres Gegenübers und spüren sehr genau, ob sie gesehen oder eingeordnet werden. So entsteht im Klassenzimmer täglich ein feines Gleichgewicht zwischen Förderung und Anpassung, zwischen Entfaltung und Begrenzung, das maßgeblich von der Haltung der Lehrkraft beeinflusst wird.
Und genau hier beginnt die zentrale Frage dieses Artikels: Wie können Lehrer zu denjenigen werden, die nicht nur unterrichten, sondern im Leben eines Kindes wirklich einen Unterschied machen?