Wenn Schule zur Belastung wird, betrifft das nicht nur Kinder, sondern ganze Familien. Eltern – besonders von hochbegabten und hochsensiblen Kindern – geraten unter Druck. Einfluss der Schule ist oft nicht zu vernachlässigen.
Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.
Auf meinem Blog schreibe ich über Hochbegabung, Höchstbegabung und Hochsensibilität – sowie über Wertschätzung, positive Entwicklungen im Schulsystem und neue Wege für Kinder. Wege, die wirklich zu ihnen passen.
Schön, dass du hier bist!
Viele Eltern hochbegabter Kinder sprechen das Thema nicht aus Bequemlichkeit oder Ehrgeiz an – sondern aus Sorge. Sie sehen, wie ihr Kind im Unterricht still leidet, leiser wird, sich zurückzieht oder ins komplette Gegenteil kippt: überdreht, lacht viel, stört, wirkt „auffällig“. Beide Extreme haben denselben Ursprung: Das Kind sucht einen inneren Rückzugsraum, einen Safe Space, weil der Unterricht keine echte geistige Nahrung bietet.
Zu einfache Aufgaben sind für diese Kinder nicht harmlos – sie sind belastend. Sie führen zu innerer Unruhe, Abschalten, Selbstwertzweifeln und dem Gefühl, am falschen Ort zu sein.
Genau deshalb suchen Eltern das Gespräch mit der Schule:
Nicht um Druck zu machen, sondern um ihr Kind vor dauerhafter Unterforderung zu schützen – und gemeinsam Möglichkeiten zu finden, wie es wieder Freude, Tiefe und Sicherheit im Lernen erleben kann.
Leider zeigt die Erfahrung, dass diese Situation von vielen Lehrkräften noch immer nicht ernst genug genommen wird.
Unterforderung wird häufig unterschätzt, belächelt oder als „Luxusproblem“ behandelt. Doch für die betroffenen Kinder – und ihre Familien – ist es alles andere als harmlos.
Diese Erfahrung blieb auch uns als Familie nicht erspart.
Und wir sind damit nicht allein: Sehr viele Eltern melden sich genau aus diesem Grund bei mir zur Beratung. Sie sehen Tag für Tag, wie viel Schaden eine dauerhaft ungeeignete Lernsituation anrichten kann – wie ihr Kind leiser wird, sich zurückzieht, wütend wird oder langsam innerlich aufgibt.
Gerade deshalb liegt mir dieses Thema so am Herzen.
Ich möchte die Situation aus beiden Perspektiven beleuchten – aus Sicht der Eltern und aus Sicht der Lehrkräfte. Nicht, um Schuld zu zuweisen, sondern um Verständnis zu schaffen, Transparenz möglich zu machen und Wege zu finden, wie Schulen diese Kinder besser erreichen können.
Denn jedes nicht erkannte Potenzial, jeder verlorene Funke, jede zu spät gesetzte Förderung ist ein Verlust – für das Kind, die Klasse und letztlich auch für die Schule selbst.
Es ist Zeit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, damit Potenziale nicht weiter verloren gehen, sondern endlich gesehen werden.
Ich wünsche Ihnen eine gewinnbringende Lektüre und viel Erfolg dabei, die nächsten Schritte klar und konstruktiv zu gehen.
Dr. Małgorzata Brzeska
Es gibt eine Situation, die viele Eltern hochbegabter Kinder nur zu gut kennen und sie erleben sie oft immer und immer wieder. Ihr Kind ist nachweislich extrem stark in einem Fach, zum Beispiel Mathematik. Zu Hause löst es komplexe Aufgaben, stellt überraschende Fragen, denkt logisch, weit und schnell. Vielleicht zeigt es sogar Fähigkeiten, die deutlich über das Klassenniveau hinausgehen.
Doch im Unterricht sieht niemand davon etwas.
Das Kind wirkt unbeteiligt, träumt weg, kritzelt, liegt halb unter dem Tisch oder erledigt Aufgaben nur halbherzig. Und weil diese sichtbare Leistung fehlt, entsteht bei vielen Lehrkräften automatisch ein Zweifel:
„Kann das Kind wirklich so viel, wie die Eltern sagen?“
Statt Förderung, statt zusätzlicher Impulse oder eines Blicks auf mögliche Unterforderung kommt dann häufig dieselbe, fast reflexhafte Frage:
„Aber… macht es Ihrem Kind denn überhaupt Spaß?“
Für viele Eltern fühlt sich genau diese Frage wie ein Schlag in die falsche Richtung an.
Sie wissen, dass ihr Kind das Fach liebt. Sie wissen, wie begeistert es sein kann, wenn es sich wirklich mit anspruchsvollen Inhalten auseinandersetzt. Aber im Schulalltag, in diesem engen Korsett aus Wiederholungen, langsamem Tempo und fehlender kognitiver Herausforderung – natürlich macht es da im Moment keinen Spaß.
Doch wie erklärt man das, ohne dass es wie Rechtfertigung klingt?
Wie macht man deutlich, dass der fehlende Spaß nicht das Problem ist, sondern ein Symptom?
Denn:
Es liegt nicht daran, dass Mathematik für das Kind uninteressant wäre.
Es liegt nicht daran, dass die Eltern sich „irren“.
Es liegt nicht daran, dass das Kind keine Motivation hätte.
Sondern es liegt daran, dass das schulische Setting die Freude systematisch verhindert.
Ein hochbegabtes Kind, das geistig auf Entdeckung eingestellt ist, wird in einem Umfeld, in dem ständig Wiederholungen stattfinden, in dem Neues rar ist und in dem sein enormes Tempo ausgebremst wird, irgendwann aufgeben. Nicht aus Trotz. Nicht aus Faulheit. Sondern aus Selbstschutz.
Viele dieser Kinder brennen für ein Fach – aber Feuer braucht Nahrung.
Und genau diese Nahrung fehlt ihnen im Unterricht.
Deshalb ist die Frage „Macht es Ihrem Kind Spaß?“ für Eltern so schwer zu beantworten.
Weil sie zwei Realitäten miteinander vereint, die nichts miteinander zu tun haben:
Die Realität zu Hause, wo das Kind aufblüht, fragt, denkt, leuchtet.
Die Realität in der Schule, wo die Bedingungen so wenig passen, dass das Kind innerlich abschaltet.
Das Problem liegt also nicht in der fehlenden Freude.
Das Problem liegt darin, dass die schulische Umgebung keine Freude für dieses Kind zulässt.
Und genau das darf man Lehrkräften erklären – ruhig, klar und ohne Vorwurf:
Nicht das Kind oder die Eltern verursachen die fehlende Freude. Auch nicht die Lehrkraft.
Sondern das Setting verhindert das, was eigentlich da wäre: Begeisterung, Kompetenz und echtes Lernen.
Eine Frage, die aus Sicht vieler Lehrkräfte logisch erscheint – aber gleichzeitig den Kern der Problems verfehlt. Denn natürlich macht es vielen dieser Kinder in diesem Moment keinen Spaß.
Aber nicht, weil Mathematik die nicht begeistert.
Sondern weil das schulische Setting ihnen den Zugang zur Freude systematisch nimmt.
Hochbegabte und besonders begabte Kinder funktionieren anders. Sie denken schneller, springen komplexer, verknüpfen intuitiver.
Doch in einem Setting, das auf Wiederholung, Verlangsamung und Gleichschritt ausgerichtet ist, passiert etwas Entscheidendes:
Was für andere Kinder nötig ist, wird für ein hochbegabtes Kind zur mentalen Bremse. Zu viel Wiederholung führt nicht zu besserem Verständnis – sondern zu innerer Abschaltung.
Viele Kinder erleben die Diskrepanz zwischen ihrem inneren Können und den äußeren Anforderungen als absurd. Warum sollten sie zehn Aufgaben rechnen, wenn sie nach einer alles verstanden haben?
Viele dieser Kinder ziehen sich zurück, liegen auf den Tischen, starren aus dem Fenster, kritzeln – alles Strategien, um mit einem Umfeld zurechtzukommen, das nicht für sie gemacht ist.
Ein Kind zeigt seine Stärke nicht, wenn ihm langweilig ist.
Genau wie ein Erwachsener in einem Job ohne Herausforderungen nicht glänzen wird.
Leistung entsteht aus Begegnung mit echter kognitiver Nahrung.
Viele dieser Kinder ziehen sich zurück, liegen auf den Tischen, starren aus dem Fenster, kritzeln – alles Strategien, um mit einem Umfeld zurechtzukommen, das nicht für sie gemacht ist.
Viele Eltern hören in solchen Momenten Sätze wie:
„Zu Hause muss es Spaß machen, damit wir hier etwas aufbauen können.“
„Machen Sie zufälligerweise nicht zu viel Druck zu Hause?“
„Vielleicht überschätzen Sie Ihr Kind?“
„Er/Sie zeigt es aber nicht im Unterricht.“
Doch diese Perspektive lässt etwas Wesentliches außen vor:
👉 Das Problem ist nicht der fehlende Spaß oder Druck zu Hause – es ist das fehlende passende Setting in der Schule.
👉 Ein Kind kann hochmotiviert sein – und gleichzeitig im Unterricht aussteigen.
👉 Was Lehrkräfte sehen, ist nicht das Können, sondern die Reaktion auf Unterforderung.
Viele Eltern erleben diesen Widerspruch schmerzhaft:
Ihr Kind blüht zu Hause auf, stellt Fragen, denkt groß und komplex – und im Klassenzimmer wirkt es wie „nicht bei der Sache“.
Ein Kind kann hochmotiviert sein – und gleichzeitig im Unterricht aussteigen.
Ich habe eine Formulierung entwickelt, die Türen öffnet, statt Fronten aufzubauen. Vielleicht hilft sie auch dir:
„Mein Kind brennt für das Fach – aber Feuer braucht Sauerstoff.
Momentan bekommt es im Unterricht keinen.
Wenn wir gemeinsam dafür sorgen, dass es herausgefordert wird, entsteht die Freude, die Sie sehen möchten. Aber Freude entsteht nach der Herausforderung, nicht davor.“
Damit nimmst du Lehrkräfte mit, ohne sie anzugreifen.
Weitere Sätze, die wirken:
„Erst Herausforderung – dann Motivation. Nicht andersherum.“
„Was Sie als Desinteresse wahrnehmen, ist eine Reaktion auf Unterforderung, nicht mangelnde Begabung.“
„Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, welche Aufgaben sein/ihr Denken aktivieren – dann wird die Leistung sichtbar.“
„Mein Kind zeigt zu Hause klare Kompetenz – ich wünsche mir, dass wir die Rahmenbedingungen schaffen, damit es diese auch hier zeigen kann.“
Viele Lehrkräfte möchten ihren Schülerinnen und Schülern wirklich helfen – sie möchten fördern, unterstützen und Potenzial entfalten. Doch häufig fehlt ihnen schlicht das notwendige Wissen, weil das System ihnen nur begrenzte Weiterbildung zu Themen wie Hochbegabung, Underachievement, asynchroner Entwicklung oder nicht-linearen Lernprofilen anbietet. Sie stehen täglich vor sehr heterogenen Lerngruppen, sollen allen gerecht werden und greifen dann oft auf die Erklärungsmodelle zurück, die ihnen zur Verfügung stehen.
Was sie sehen, ist meist Folgendes:
Ein Kind arbeitet nicht, wirkt unbeteiligt oder schaltet innerlich ab → also entsteht der Eindruck, das Kind sei unmotiviert, desinteressiert oder bringe von zu Hause zu wenig Unterstützung mit. In diesem Denkmuster scheint die Ursache eher im Umfeld oder im vermeintlich fehlenden Engagement des Kindes zu liegen.
Was sie jedoch häufig nicht sehen, ist:
Dieses Kind tickt anders. Es denkt schneller, komplexer, vernetzter – und deshalb funktioniert es nicht im Gleichschritt mit der Klassendynamik. Nicht, weil es nicht will. Sondern weil es aufgrund seiner besonderen Denk- und Wahrnehmungsweise oft gar nicht kann.
Wenn ein hochbegabtes oder weit entwickeltes Kind nicht in die vorgegebene Struktur passt, wird die Situation eher als Überforderung interpretiert: „Das Kind kommt nicht mit.“ Dass in Wirklichkeit eine massive Unterforderung die Ursache sein könnte – intellektuell, emotional oder im Tempo – wird viel zu selten in Betracht gezogen. Und genau hier entsteht die Diskrepanz, die für das Kind so belastend sein kann.
Das Ziel ist nicht, Lehrkräfte zu kritisieren oder ihre Arbeit infrage zu stellen.
Im Gegenteil: Viele von ihnen leisten jeden Tag Beeindruckendes – oft unter schwierigen Bedingungen, mit begrenzten Ressourcen und in ständig wachsenden Erwartungshaltungen. Die Absicht dieses Textes ist deshalb nicht, Defizite zu betonen, sondern die Aufmerksamkeit genau dorthin zu lenken, wo Veränderung möglich ist und wo sie unmittelbar positive Wirkung entfalten kann.
Es geht darum, Perspektiven zu öffnen – nicht Vorwürfe zu machen.
Es geht darum, gemeinsam besser hinzusehen – nicht Schuld zu zuweisen.
Und es geht darum, die Bedingungen zu schaffen, unter denen hochbegabte und weit entwickelte Kinder wirklich gedeihen können.
Dafür braucht es vor allem:
Mehr kognitive Aktivierung:
Kinder, die weit vorausdenken, brauchen Aufgaben, die ihr Denken fordern, nicht bremsen. Kognitive Aktivierung ist kein „Nice to have“, sondern ein zentrales Element, damit diese Kinder überhaupt in den Lernmodus zurückfinden.
Weniger Wiederholung:
Ständige Wiederholungen, ritualisierte Übungsphasen und langsame Progression wirken für viele dieser Kinder wie ein gedankliches Stoppschild. Weniger repetitives Lernen und mehr inhaltliche Tiefe würde ihnen erlauben, ihre Fähigkeiten konstruktiv einzusetzen.
Mut zur Akzeleration:
Viele Schulen scheuen den Schritt, ein Kind tatsächlich schneller lernen zu lassen, als es der Jahrgang vorsieht. Doch für manche Kinder ist genau das der Schlüssel: ein höheres Tempo, ein Level-Up, ein echter Entwicklungssprung, der sie wieder mit sich selbst verbindet.
Offenheit für individuelle Lernwege:
Nicht jedes Talent entfaltet sich im klassischen Lehrplan und schon gar nicht im Gleichschritt. Flexible Wege – sei es durch Projektarbeit, Vertiefungsthemen, Lernateliers oder niveauangepasste Aufgaben – eröffnen Chancen, ohne den Klassenverband zu destabilisieren.
Zusammenarbeit statt Schuldzuweisung:
Eltern und Lehrkräfte sind keine Gegenspieler. Beide wollen, dass das Kind erfolgreich ist und sich wohlfühlt. Wie viel leichter und wirksamer wäre es, wenn beide Seiten sich gegenseitig als Experten wahrnehmen würden – die Eltern für ihr Kind, die Lehrkraft für den Lernkontext.
Denn am Ende geht es genau darum, was uns alle verbindet:
Ein Kind, das wieder aufblüht.
Ein Kind, das wieder lernt.
Ein Kind, das wieder Spaß hat – weil es wachsen darf.
Nur wenn Schule, Elternhaus und Kind gemeinsam an einem Strang ziehen, entsteht der Raum, in dem echtes Lernen möglich wird – lebendig, freudig und voller Entwicklungspotenzial.
Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.
Auf meinem Blog schreibe ich über Hochbegabung, Höchstbegabung und Hochsensibilität – sowie über Wertschätzung, positive Entwicklungen im Schulsystem und neue Wege für Kinder. Wege, die wirklich zu ihnen passen.
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Hochbegabte und weit entwickelte Kinder werden im Schulalltag oft missverstanden – nicht aus mangelndem Engagement der Lehrkräfte, sondern weil das System ihnen wenig Wissen zu asynchronen Lernprofilen, Underachievement oder kognitiver Unterforderung vermittelt. Viele Kinder wirken unbeteiligt, obwohl sie in Wahrheit weit vorausdenken. Dadurch entstehen Fehldeutungen, die weder für das Kind noch für die Lehrkraft hilfreich sind.
Doch genau hier liegt eine große Chance:
Mit mehr Wissen über Hochbegabung, mehr Verständnis für individuelle Lernwege und mehr Mut zu echter Differenzierung können Kinder wieder aufblühen – und Lehrkräfte spürbar entlastet werden. Denn viele Methoden, die begabte Kinder brauchen, helfen allen Kindern: bessere kognitive Aktivierung, weniger Wiederholung, mehr Eigenverantwortung und flexiblere Lernwege.
Darum lade ich Schulen herzlich ein,
Fortbildungen, Team-Schulungen und Workshops anzufragen.
Gemeinsam können wir in kurzer Zeit sehr viel bewegen – wenn die Schule Einblicke in die „begabte Welt“ erhält und die Sorge ablegt, dass Förderung nur „für die Elite“ sei. Individualisierung und kluge Differenzierung sind kein Luxus. Sie sind die Zukunft guter Schule – und ein Gewinn für jedes Kind.
Dr. Małgorzata Brzeska

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