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Warum es diesen Blog gibt – und warum ich begonnen habe über Hochbegabung zu sprechen

Warum es diesen Blog gibt – und warum ich begonnen habe über Hochbegabung zu sprechen

Kreativität
Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

Auf meinem Blog schreibe ich über Hochbegabung, Höchstbegabung und Hochsensibilität – sowie über Wertschätzung, positive Entwicklungen im Schulsystem und neue Wege für Kinder. Wege, die wirklich zu ihnen passen.

Schön, dass du hier bist!

Warum es diesen Blog gibt – und warum ich begonnen habe über Hochbegabung zu sprechen

Dieser Raum – mein Blog ebenso wie mein Instagram-Konto – ist entstanden, um hochbegabte und höchstbegabte Kinder, ihre Eltern und auch engagierte Lehrkräfte zu unterstützen.

Denn ich wünsche mir von Herzen, dass es Kindern, Eltern und allen Beteiligten im Bildungssystem besser geht.

Aktuell erleben wir jedoch noch viel zu oft eine andere Realität: Wenn Kinder nicht in das vorgesehene Raster passen, wird es für sie enorm schwierig im Schulsystem.

Für Kinder, die in bestimmten Bereichen mehr Unterstützung brauchen, gibt es zum Glück viele Angebote – sowohl in der Schule als auch außerhalb, etwa durch Förderprogramme oder Nachhilfe. Hier stoßen Eltern in der Regel auf Verständnis.

Doch wenn Kinder „in die andere Richtung“ ausschlagen – wenn sie hochbegabt, höchstbegabt oder hochsensibel sind – sieht die Situation oft ganz anders aus. Die Unterstützung ist gering. Das Verständnis fehlt häufig.

Eltern werden nicht selten so betrachtet, als hätten sie ihre Kinder zur Höchstleistung gedrängt.
Dabei erleben viele von ihnen genau das Gegenteil: Sie sehen, wie ihre Kinder in der Schule Zeit verlieren. Wie sie sich langweilen. Wie sie sich innerlich zurückziehen. Und nicht selten führt genau das zu Underachievement oder sogar zu depressiven Verstimmungen. Betroffene Kinder werden nicht selten aggressiv entweder sich selbst oder den anderen gegenüber. Das ist eine sehr große Gefahr, denn von hier zu einer Falschdiagnose ist es leider nicht weit.

Unsere eigene Geschichte zum Schulstart war so unglaublich, dass ich heute sage:
Hätte mir das jemand vorher erzählt – ich hätte es nicht geglaubt und nie für möglich gehalten, wie undankbar das Schulsystem den extrem schlauen Kids gegenüber manchmal sein kann. Vielleicht schreibe ich mal etwas mehr darüber.

Solche „unglaublichen Geschichten“ sind dennoch die harte Realität für viele Familien.
Es ist Zeit für eine Veränderung, es ist Zeit jeden zu schätzen, wie er oder sie als Schüler ist und ein Umfeld zu schaffen, das es den Schülern ermöglicht sich von dem Standpunkt aus zu entwickeln, wo sie gerade stehen.

Deine Malgorzata

Schule ist mehr als Stoff

Ein Argument, das man in diesem Zusammenhang oft hört, ist:
„Schule ist doch mehr als nur Stoff.“

Ein wichtiger Gedanke – absolut!

Doch erstaunlicherweise wird dieses Argument fast ausschließlich dann verwendet, wenn es um hochbegabte Kinder geht. Wenn ein Kind unterfordert ist, wenn es intellektuell nicht abgeholt wird, dann scheint dieser Aspekt plötzlich weniger relevant zu sein.

Dabei gilt doch auch hier: Lernen, Entwicklung und Wohlbefinden gehören untrennbar zusammen.

Und genau dafür möchte ich mit diesem Raum sensibilisieren. Dieser Raum, mein Blog als auch das Instagramkonto ist entstanden, um hochbegabte und höchstbegabte Kinder, ihre Eltern und auch engagierte Lehrkräfte zu unterstützen. 

Schule ist mehr als Stoff.  Aber das „mehr“ kann das Stoff nicht ersetzen oder ausgleichen. Ohne Input können sich die Kinder auf sozialen und emotionalen Ebene nicht gerecht entwickeln.

Der Anfang, vor Blog, war Instagram

Ganz ehrlich? Es begann nicht mit einem großen Plan.

Es begann mit einem Impuls.

Ich wollte meine Gedanken teilen.
Ich wollte sichtbar machen, was oft unsichtbar bleibt.
Und ich wollte Eltern erreichen, die sich – so wie ich damals – allein fühlen.

Instagram war dafür perfekt, sofort umsetzbar, ohne Hürden, ohne lange Vorbereitung – einfach anfangen.

Und genau das habe ich getan, ich muss zugeben, nicht ganz ohne Angst, aber mein Bedürfnis, Lösungen zu suchen und darüber zu sprechen, wie unvorbereitet das System für hochbegabte Kinder ist, war stärker.

Von Instagram, LinkedIn Beiträgen zum Blog

Was dann passiert ist, hat mich überrascht

Ich habe begonnen zu schreiben.
Über Hochbegabung.
Über Unterforderung.
Über Zweifel, Gespräche mit Schulen, Entscheidungen.

Und dann kam etwas, womit ich so nicht gerechnet habe: Resonanz.

Nachrichten von Eltern. Erfahrungen, die sich ähnelten.
Gedanken, die ich selbst hatte – plötzlich ausgesprochen von anderen.

Und ich habe noch etwas beobachtet: Meine Beiträge wirken nach. Auch wenn ich Pausen mache.
Auch wenn ich nicht regelmäßig poste.

Das Profil wächst weiter. Die Inhalte bleiben relevant. Die Themen sind da.

Das hat mir gezeigt: Das ist kein kurzfristiges Thema, das ist ein echter Bedarf und es braucht mehr Raum – ein Blog.

Statt Unterstützung zu erfahren, geraten die Eltern in eine Endlosschleife sich rechtfertigen zu müssen. Das ist eine sehr harte und unnötige Erfahrung, die dem Kind wenig bringt. 

Warum Instagram nicht ausreicht und daher Blog

Instagram ist schnell, emotional, direkt. Aber auch begrenzt.

Viele Gedanken lassen sich dort nur anreißen.
Viele Themen verdienen deutlich mehr Tiefe, mehr Kontext, mehr Raum zum Denken.

Gerade wenn es um Hochbegabung geht, reicht ein kurzer Post oft nicht aus. Ich sehe diese Themen immer sehr vernetzt und mag sie aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Denn:

  • Hochbegabung ist komplex
  • Höchstbegabung ist noch komplexer
  • Familienrealitäten sind individuell
  • Entscheidungen sind selten einfach

Und genau hier hat etwas in mir angefangen zu arbeiten. Ich habe bemerkt, dass ich ein Thema nie auf Instagram erschöpfen kann. Die Storys werden zu lang, Beiträge mit zu viel Text versehen. Mein Wunsch nach Tiefe und Darstellung der vernetzten Themen wuchs. 

Hochbegabung ist ein sehr komplexes Thema. Hut ab für alle Eltern, die es erkannt haben und sich dafü einsetzen, dem Kind gleichberechtigte Möglichkeiten zu geben.

Der Wunsch nach Tiefe

Ich habe gemerkt: Ich möchte mehr sagen, Ich möchte Dinge zu Ende denken und aus mehreren Perspektiven beleuchten. Ich möchte Zusammenhänge erklären und dabei auf Augenhöhe bleiben.

Nicht nur Impulse geben –sondern Orientierung. Nicht nur Gefühle teilen –sondern Verständnis schaffen.

Und genau daraus ist die Idee entstanden: Ein Blog.

Die Hochbegabung oder Höchstbegabung ist selten nur „kognitiv“.

Warum ein Blog über Hochbegabung, Höchstbegabung und Hochsensibilität

Diese Themen gehören  für mich zusammen.

Hochbegabung oder Höchstbegabung ist selten nur „kognitiv“. Sie ist oft verbunden mit:

  • intensiver Wahrnehmung, emotionaler Tiefe, hoher Sensibilität, starkem Gerechtigkeitssinn
  • und innerem Antrieb.

Viele Kinder – und auch Eltern – bewegen sich genau in diesem Spannungsfeld und genau dafür möchte ich Raum schaffen.

Einen Raum, in dem: komplexe Gedanken Platz haben, Erfahrungen ehrlich geteilt werden, Zusammenhänge verständlich werden und niemand sich erklären oder rechtfertigen muss.

Unabhängig. Tiefer. Ehrlich.

Dieser Blog ist für mich ein bewusster Schritt: Weg von der Begrenzung und hin zu mehr Tiefe. Hier darf ich: länger schreiben, differenzierter denken, Themen von verschiedenen Seiten beleuchten und vor allem: Ich kann Inhalte schaffen, die bleiben. Die man wieder liest, die man teilt, die man vielleicht genau in dem Moment findet, in dem man sie braucht.

Dein hochbegabtes Kind ist nicht anders, es ist wunderbar!

Für wen ich schreibe

Für Eltern, die spüren:
„Mein Kind ist anders – aber ich kann es noch nicht greifen.“

Für Eltern, die schon wissen:
„Mein Kind ist hochbegabt / höchstbegabt – aber der Weg ist herausfordernd.“

Für Eltern die (noch nicht) realisiert haben welchen Unterschied die Kinder im Schulsystem erleben, wenn sie hochbegabt versus höchstbegabt sind.

Für Familien, die müde sind, sich immer wieder erklären zu müssen.

Für Lehrkräfte, die verstehen und unterstützen wollen. Danke, dass es euch gibt!

Und letztendlich auch für Erwachsene, die sich selbst in diesen Themen wiederfinden.

Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

Auf meinem Blog schreibe ich über Hochbegabung, Höchstbegabung und Hochsensibilität – sowie über Wertschätzung, positive Entwicklungen im Schulsystem und neue Wege für Kinder. Wege, die wirklich zu ihnen passen.

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Damit unterstützt du meine Arbeit und hilfst mir, weiterhin Inhalte rund um Hochbegabung zu schreiben.
Danke dir!

Wenn du beim Lesen gespürt hast, wie sehr dich diese Situation selbst fordert – wie viel Kraft es dich kostet, zu erklären, zu tragen, stark zu bleiben – dann bist du hier genau richtig.

Denn oft geht es nicht nur um das Kind.
Es geht auch um dich.

Um deine Erschöpfung.
Deine Zweifel.
Dein Gefühl, nicht gehört oder nicht ernst genommen zu werden.

Und genau hier setze ich an.

In meinem 1:1 Coaching und Mentoring begleite ich Eltern hochbegabter, hochsensibler und intensiver Kinder dabei, wieder in ihre eigene Stärke zu kommen.
Klarheit zu gewinnen.
Sicherheit im Handeln zu entwickeln.
Und Wege zu finden, die sich nicht nur für das Kind – sondern auch für dich stimmig anfühlen.

Denn du kannst dein Kind nur dann wirklich tragen, wenn auch du Halt hast. Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

Wenn du spürst, dass jetzt der Moment ist, dich selbst wieder zu stärken und einen klaren nächsten Schritt zu gehen, dann lade ich dich herzlich ein zu einem persönlichen 1:1 Coaching oder Mentoring mit mir.

Was du durch eine Zusammenarbeit mit mir gewinnst

  • Klarheit statt Zweifel: Du verstehst endlich, warum dein Kind so reagiert – und was es wirklich braucht.

  • Sicherheit im Handeln: Du lernst, wie du in Schule, Familie und Alltag souverän Entscheidungen triffst.

  • Mehr Leichtigkeit: Du erlebst, wie sich Konflikte entspannen, wenn du die Dynamiken dahinter erkennst.

  • Stärkung eurer Beziehung: Du gewinnst neue Wege, dein Kind auf Augenhöhe zu begleiten.

  • Individuelle Strategien: Keine Standardtipps – alles ist passgenau auf dein Kind und eure Situation ausgerichtet.

  • Wachstum für dich selbst: Du entwickelst dich als Elternteil weiter und gehst gestärkt aus diesem Prozess hervor.

Brzeska Malgorzata

Coaching und Mentoring mit Dr. Malgorzata Brzeska

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Wenn Schule nicht nur Kinder, sondern ganze Familien erschöpft

Wenn Schule nicht nur Kinder, sondern ganze Familien erschöpft

Kreativität
Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

Auf meinem Blog schreibe ich über Hochbegabung, Höchstbegabung und Hochsensibilität – sowie über Wertschätzung, positive Entwicklungen im Schulsystem und neue Wege für Kinder. Wege, die wirklich zu ihnen passen.

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Wenn Schule nicht nur Kinder, sondern ganze Familien erschöpft

Die Schule soll ein Ort des Lernens sein. Ein Ort der Entwicklung, der Neugier, der Möglichkeiten. Doch für viele Familien – insbesondere für Eltern hochbegabter und hochsensibler Kinder – wird Schule zu einer dauerhaften Belastungsprobe. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern.

In meiner Vorstellung – und in der vieler Familien – wäre Schule genau der Ort, an dem die Kinder endlich die Flügel ausbreiten können; ein Ort, an dem ihre Interessen berücksichtigt werden, an dem sie Fortschritte machen. Letztlich ein Ort, an den die Kinder gerne gehen, wo Teamarbeit und Bildung stattfinden, alle voneinander lernen, Toleranz gelebt wird und keine Ausgrenzung passiert. Eine Schule, die flexibel ist, gerecht handelt und sich an die jeweilige Situation der Kinder anpasst.

Stattdessen gehen viele Kinder nur aus Pflichtbewusstsein zur Schule: „Mama, Papa, ich gehe nur, damit ihr keine Strafen zahlen müsst.“ Diesen Satz höre ich immer wieder.

Warum ist das so? Es liegt an fehlender Passung. Wenn Kinder nicht in das vorgegebene Raster passen und nicht das Glück haben, auf eine verständnisvolle und flexible Lehrkraft zu treffen, beginnen die Herausforderungen – oft für die gesamte Familie.

 

Eltern im Fokus

Ich finde, es ist ebenso wichtig, den Fokus auf die Eltern zu legen. Wir kümmern uns ständig um die Anliegen der Kinder – doch eine Fehlpassung im System wirkt sich auch auf die Eltern aus. Wenn es ihnen nicht gut geht, fehlt oft die Kraft, ihre Kinder zu unterstützen oder für sie einzustehen.

Die Zeit im Schulsystem kann sehr herausfordernd sein – nicht nur für die Kinder, sondern für die gesamte Familie, die die Auswirkungen täglich mitträgt. Ich sage oft: Lehrer zu sein ist ein anspruchsvoller Beruf, aber die direkten Konsequenzen ihres Handelns tragen vor allem die Kinder – und ihre Eltern.

„Lehrer zu sein ist ein anspruchsvoller Beruf, aber die direkten Konsequenzen ihres Handelns tragen vor allem die Kinder – und ihre Eltern.“

Familien, für die es nicht funktioniert, leben sehr oft an der Grenze der Belastbarkeit und Erschöpfung, gemischt mit verlorener Hoffnung, Chancen und Möglichkeiten für die Kinder.

Daher diesmal ein Beitrag über den Einfluss der Fehlpassung auf gesamte Familien.

Deine Malgorzata

Wenn Schule nicht nur Kinder, sondern ganze Familien erschöpft

Die Schule soll ein Ort des Lernens sein. Ein Ort der Entwicklung, der Neugier, der Möglichkeiten. Doch für viele Familien – insbesondere für Eltern hochbegabter und hochsensibler Kinder – wird Schule zu einer dauerhaften Belastungsprobe. Nicht nur für die Kinder. Sondern auch für die Eltern.

Denn was oft übersehen wird: Diese Eltern tragen nicht einfach „nur“ die Verantwortung für ihr Kind. Sie stehen täglich in einem Spannungsfeld aus Verständnis, Kampf, Erschöpfung und dem ständigen Versuch, ihr Kind zu schützen, nach Möglichkeiten und Passung suchen – und gleichzeitig stark zu bleiben.

Hochbegabung und Höchstbegabung werden oft romantisiert. Hochsensibilität hingegen bleibt häufig unerwähnt. Kaum jemand ahnt, wie herausfordernd die Schulzeit für diese Kinder tatsächlich sein kann.

Denn wenn die Passung in der Schule nicht gegeben ist, passiert etwas Entscheidendes: Kinder investieren ihre Energie nicht mehr in den Lernprozess, sondern in Anpassung. Sie versuchen, sich einzufügen, nicht aufzufallen, Erwartungen zu erfüllen – oft um den Preis ihrer eigenen Entwicklung.

Die Folgen sind tiefgreifend. Echte Beziehungen entstehen kaum, weil Verbindung Sicherheit braucht. Sicherheit wiederum entsteht nur dort, wo ein Kind sich verstanden fühlt. Fehlt diese Grundlage, fällt es schwer, Vertrauen in den eigenen Weg und in den gesamten Lernprozess aufzubauen.

Statt innerer Stabilität wächst Unsicherheit. Und aus dieser Unsicherheit heraus beginnen viele Kinder, an sich selbst zu zweifeln. Diese Dynamik bleibt nicht auf die Schule begrenzt. Sie wirkt ins Familienleben hinein – leise, aber konstant. Spannungen nehmen zu, Erschöpfung wird zum Begleiter.

Und oft sind es die Eltern, die diese Last tragen. Sie verstehen, sie regulieren, sie kämpfen – und stoßen dabei nicht selten selbst an ihre Grenzen.

Wenn Schule zum täglichen Kraftakt wird, sind es nicht nur Kinder, die kämpfen – es sind ganze Familien, die still mittragen.

Wenn Eltern mehr sehen, mehr spüren, mehr mittragen müssen

Eltern hochbegabter und hochsensibler Kinder sind häufig selbst ähnlich veranlagt. Sie nehmen feine Unterschiede wahr. Sie erkennen früh, wenn etwas nicht stimmt. Sie spüren, wenn ihr Kind leidet – auch dann, wenn es nach außen „funktioniert“.

Das bedeutet aber auch: Jede Schwierigkeit trifft sie tiefer.

  • Sie sehen die Unterforderung – lange bevor sie für Außenstehende sichtbar wird und oft erkennen sie die emotionale Überlastung, bevor sie eskaliert. Sie spüren ganz deutlich die Diskrepanz zwischen Potenzial und Realität.

Und genau dieses „Mehr-Sehen“ wird ihnen oft nicht geglaubt.

Die Eltern sehen die Unterforderung – lange bevor sie sichtbar wird und oft erkennen sie die emotionale Überlastung, bevor sie eskaliert. Sie spüren ganz deutlich die Diskrepanz zwischen Potenzial und Realität.

Weil es in anderen Familien nicht in diese Tiefe geht, zögern gerade die Eltern, die diese Intensität erleben, mit ihrer Reaktion. Sie beobachten oft, wegen ab, versuchen innerhalb der Familie Einfluss zu nehmen, obwohl sie wohl wissen, dass die Situation in der Schule die Ursache für die Herausforderungen ist.

Sie handeln nicht impulsiv – im Gegenteil:
Sie machen sich sehr bewusst Gedanken darüber, wie sie die Schule auf die so greifbaren Herausforderungen ansprechen können – und vor allem wann.

Das ist keine Unsicherheit.
Das ist Strategie auf höchstem Niveau.

Der permanente Rechtfertigungsmodus

Viele dieser Eltern berichten von einem immer gleichen Muster:

Sie beobachten Probleme → sprechen sie an → werden relativiert → zweifeln → kämpfen weiter. In diesem Prozess laufen die Eltern mehrere Loops.

Statt Unterstützung zu erfahren, geraten sie in eine Endlosschleife aus Erklären und Rechtfertigen:

  • „In der Schule klappt es doch.“
  • „So schlimm kann es nicht sein.“
  • „Das ist doch normal in dem Alter.“
  • „Verlangen Sie nicht zu viel von ihrem Kind, setzen Sie es nicht so unter Druck“
  • „Es ist doch gut, wenn ein Kind gut ist.“

Doch was hier passiert, ist gravierend:
Die Wahrnehmung der Eltern wird infrage gestellt. Die Bedürfnisse des Kindes werden heruntergespielt. Und notwendige Hilfe wird aufgeschoben – manchmal so lange, bis es zu spät ist.

Statt Unterstützung zu erfahren, geraten die Eltern in eine Endlosschleife sich rechtfertigen zu müssen.

Wenn Hilfe immer wieder vertagt wird

Einer der belastendsten Punkte ist nicht einmal das Problem selbst – sondern die Tatsache, dass Lösungen immer wieder aufgeschoben werden.

  • Gespräche verlaufen im Kreis, Maßnahmen werden angekündigt, aber nicht umgesetzt
  • und die Dringlichkeit wird überhaupt nicht erkannt. Selbst mir ist es oft passiert, dass ich vertrauensvoll auf die Zusicherung „im nächsten Schuljahr machen wir anspruchsvollere Themen mit den Kindern“ vertraut habe, und was zunächst wie eine viel versprechende Perspektive aussah, wandelte sich in die sogenannte Aufschieberitis. Denn im Folgejahr passierte immer wieder das Gleiche. Die Verzweiflung bei den Kindern und Eltern wächst in solchen Situationen, das Gefühl, fehl am Platz zu sein, nimmt zu, und das Kind verkrümmt sich immer mehr. Die Eltern verzweifeln, denn nein, sie sind nicht in der Lage, den Frust und den Druck, den Anpassungsdruck aus der Schule, nachmittags auszugleichen.

Für die Eltern bedeutet das: Sie müssen immer wieder von vorne anfangen. Immer wieder erklären. Immer wieder kämpfen. Das kostet Kraft. Enorme Kraft.
An sich mag ich das Wort „kämpfen“ gar nicht, aber genau dieses Gefühl beschreiben mir viele Eltern.

In dieser Situation zu stecken und zuzusehen, wie das eigene Kind immer mehr an sich zweifelt und das starke Gefühl entwickelt, nicht zu passen, ist nicht nur enttäuschend, sondern auch enorm belastend für die Eltern.

Die unsichtbare Belastung

Was dabei oft vergessen wird: Diese Situation betrifft nie nur das Kind allein. Sie zieht sich durch die gesamte Familie.

Die Eltern stehen unter Dauerstress. Sie tragen Verantwortung, Zweifel und Druck gleichzeitig. Druck der Kinder und Druck der Schule, das permanente Gefühl selbst ständig misverstanden zu sein. 
Sie versuchen, ihr Kind emotional aufzufangen – während sie selbst kaum Halt bekommen und kaum Möglichkeiten zum Austausch haben.

Und gleichzeitig wissen sie:

Wenn wir jetzt nicht stark bleiben, bricht unser Kind vielleicht wirklich ein.

Diese innere Verpflichtung ist enorm. Denn viele hochbegabte, hochsensible Kinder reagieren nicht einfach „ein bisschen empfindlich“.

Sie ziehen sich zurück.
Sie verlieren Motivation.
Sie entwickeln Selbstzweifel.
Im schlimmsten Fall geben sie sich innerlich auf.

Viele dieser Kinder schleifen an der ganz dünnen Grenze zur Depression und nein es ist kein vorübergehender Zustand – diese Situation spiegelt und streut auf das gesamte Leben. Weil die Eltern das sehr gut wissen, belastet sie diese Situation, dieses Ungleichgewicht im Können der Kinder, später auch im Wollen, verkümmerte Motivation, Leben im Dauerstress sehr. 

Die Belastung der Eltern von hochbegabten, höchstbegabten und oft hochsensiblen Kindern bleibt oft nach außen unsichtbar.

Das wird oft übersehen – Die Last liegt oft bei den Müttern

Ein Aspekt, über den viel zu selten gesprochen wird:
Die Hauptlast dieser Situation wird in vielen Familien von den Frauen getragen.

Nicht, weil Väter nicht involviert sind – sondern weil Mütter in der Praxis, nach der Schule oft mehr Zeit mit den Kindern verbringen und dadurch näher an ihrem Alltag sind. Sie erleben die feinen Veränderungen, die Stimmungsumschwünge, die Erschöpfung – ungefiltert und unmittelbar.

Sie sind es, die:

  • die Nachmittage auffangen
  • die emotionalen Ausbrüche begleiten
  • die Gespräche führen
  • die Sorgen nachts mit ins Bett nehmen

Sie sehen nicht nur das „Problem“. Sie fühlen es – jeden Tag. Und genau das verstärkt die Belastung enorm.

Eltern – und besonders viele Mütter – befinden sich dadurch in einem permanenten Spannungsfeld:

  • Sie müssen kämpfen – obwohl sie erschöpft sind.
  • Sie müssen erklären – obwohl sie sich nicht gehört fühlen.
  • Mütter stehen unter der Erwartung, Stabilität zu gewährleisten – trotz eines Schulsystems, dessen Auswirkungen häufig destabilisieren. Es ist auch nicht eine Erwartung der Stabilität, sondern eine Notwendigkeit stabil zu bleiben für die eigenen Kinder.

Und genau hier liegt die große Gefahr: Wenn diese Belastung über lange Zeit anhält, erschöpft sie nicht nur das Kind – sondern die gesamte Familie.

Natürlich kann man sagen, dass die Schulzeit irgendwann mal vorbei geht – aber das ist doch nicht die Lösung, denn die Zeit die schön sein sollte, kommt nie zurück.

Was sich ändern muss

Es braucht ein Umdenken.

Nicht jedes Problem ist sofort sichtbar. Nicht jedes Kind zeigt sein Leiden im Klassenzimmer.
Und nicht jede elterliche Sorge ist „übertrieben“.

Gerade bei hochbegabten und hochsensiblen Kindern gilt:

1. Frühes Zuhören verhindert späte Krisen.
2. Ernstnehmen ist keine Option – sondern Voraussetzung.
3. Zusammenarbeit mit Eltern ist kein „Extra“ – sondern essenziell.

Dieser Text ist ein Einblick in die Realität vieler Familien, die Tag für Tag versuchen, das Richtige zu tun – für ihre Kinder. So dass die Kinder die Möglichkeit zu einer normalen, gesunden Entwicklung bekommen. Einer Entwicklung, deren Grundlage nicht die Zweifel sind. Dabei fühlen sich die Eltern sehr oft allein gelassen.

Vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt:

Diese Eltern übertreiben nicht.
Sie beobachten. Sie spüren. Sie tragen.

Und sie brauchen keine Zweifel.
Sie brauchen Partner.

Denn die Schule sollte Kinder stärken. Und Familien nicht zerbrechen lassen.

Die Schule sollte Kinder stärken und Familien nicht zerbrechen lassen.

Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

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Danke dir!

Wenn du beim Lesen gespürt hast, wie sehr dich diese Situation selbst fordert – wie viel Kraft es dich kostet, zu erklären, zu tragen, stark zu bleiben – dann bist du hier genau richtig.

Denn oft geht es nicht nur um das Kind.
Es geht auch um dich.

Um deine Erschöpfung.
Deine Zweifel.
Dein Gefühl, nicht gehört oder nicht ernst genommen zu werden.

Und genau hier setze ich an.

In meinem 1:1 Coaching und Mentoring begleite ich Eltern hochbegabter, hochsensibler und intensiver Kinder dabei, wieder in ihre eigene Stärke zu kommen.
Klarheit zu gewinnen.
Sicherheit im Handeln zu entwickeln.
Und Wege zu finden, die sich nicht nur für das Kind – sondern auch für dich stimmig anfühlen.

Denn du kannst dein Kind nur dann wirklich tragen, wenn auch du Halt hast. Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

Wenn du spürst, dass jetzt der Moment ist, dich selbst wieder zu stärken und einen klaren nächsten Schritt zu gehen, dann lade ich dich herzlich ein zu einem persönlichen 1:1 Coaching oder Mentoring mit mir.

Was du durch eine Zusammenarbeit mit mir gewinnst

  • Klarheit statt Zweifel: Du verstehst endlich, warum dein Kind so reagiert – und was es wirklich braucht.

  • Sicherheit im Handeln: Du lernst, wie du in Schule, Familie und Alltag souverän Entscheidungen triffst.

  • Mehr Leichtigkeit: Du erlebst, wie sich Konflikte entspannen, wenn du die Dynamiken dahinter erkennst.

  • Stärkung eurer Beziehung: Du gewinnst neue Wege, dein Kind auf Augenhöhe zu begleiten.

  • Individuelle Strategien: Keine Standardtipps – alles ist passgenau auf dein Kind und eure Situation ausgerichtet.

  • Wachstum für dich selbst: Du entwickelst dich als Elternteil weiter und gehst gestärkt aus diesem Prozess hervor.

Brzeska Malgorzata

Coaching und Mentoring mit Dr. Malgorzata Brzeska

Auch Interessant

Wenn Kinder im Unterricht innerlich abschalten – Unterforderung

Wenn Kinder im Unterricht innerlich abschalten – Unterforderung

Kreativität
Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

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Wenn Kinder im Unterricht innerlich abschalten – Unterforderung

Unterforderung wirkt nach außen oft harmlos, man hört oft „ein bisschen Langeweile hat noch niemandem geschadet“ – doch für viele Kinder ist sie eine tägliche mentale Belastung. Wenn ihr Denken dauerhaft nicht gebraucht wird, beginnt das Gehirn sich zu schützen: Es schaltet ab, zieht sich zurück oder sucht andere Wege, mit der Situation umzugehen.

Warum Unterforderung kein Luxusproblem ist
– sondern Selbstschutz

Das Kind sitzt im Unterricht.
Schaut aus dem Fenster.
Schaltet innerlich ab.

Viele Erwachsene interpretieren das schnell als Desinteresse, Faulheit oder mangelnden Respekt, Abwarten. Doch bei manchen Kindern passiert etwas ganz anderes.

Sie ziehen sich zurück – nicht aus Trotz, sondern als Selbstschutz.

Was im Unterricht wirklich passiert

Einige Kinder beschreiben ihre Situation sehr eindrücklich:

„Ich muss die wenigen wichtigen Momente im Unterricht regelrecht herausfischen, weil ich die meiste Zeit innerlich ausgeschaltet bin.“

Das bedeutet:
Sie sind körperlich anwesend – geistig aber längst woanders.

Nicht weil sie nicht wollen.
Sondern weil ihr Gehirn gelernt hat, Energie zu sparen.

Wenn über lange Zeit kaum geistige Herausforderung vorhanden ist, schaltet das System in einen Sparmodus.

Ein Kind, das im Unterricht aus dem Fenster schaut, wirkt auf den ersten Blick einfach nur verträumt. Doch manchmal steckt dahinter etwas ganz anderes: ein Kind, dessen Denken schon lange nicht mehr wirklich gebraucht wird. In diesem Artikel erfährst du, wie Unterforderung im Schulalltag aussehen kann, warum manche Kinder laut werden und andere still, weshalb Schule sich für sie manchmal wie ein extrem langweiliger Job anfühlt – und warum wir gerade die stillen Kinder oft viel zu spät verstehen.
Wie wirkt das Kind in der Schule? Wo das Problem beginnt?
Drei typische Reaktionen auf Unterforderung. Grundarten des Verhaltens und die Mischform.
Der Alltag als super langweiliger Job.
„Solche Kinder gibt es nicht“.
Wenn Kinder still werden, sehen wir die Not oft zu spät.
Entwicklung ist kein Luxus.
Eine wichtige Frage zum Schluss
Zusammenfassung

Wie wirkt das Kind in der Schule?

Für Lehrkräfte wirkt dieses Kind im Alltag oft unproblematisch: Es ist ruhig, stört den Unterricht nicht und scheint einfach ein wenig verträumt zu sein. Doch hinter dieser Ruhe kann sich etwas anderes verbergen – ein Kind, das innerlich längst aufgegeben hat mitzudenken. Was nach außen harmlos wirkt, ist manchmal ein stiller Rückzug aus einem Unterricht.

Das sieht im Alltag oft so aus:

  • Das Kind schaut aus dem Fenster.

  • Es wirkt verträumt oder abwesend.

  • Es arbeitet langsam oder scheinbar unkonzentriert.

  • Es macht viele Flüchtigkeitsfehler.

Für Außenstehende wirkt das widersprüchlich, wenn die Eltern meinen:
„Eigentlich kann das Kind doch mehr.“

Und genau hier beginnt das Problem.

Manche Kinder wirken unkonzentriert.
In Wahrheit schützen sie ihr Gehirn vor dauerhafter Langeweile.

Drei typische Reaktionen auf Unterforderung

Kinder reagieren sehr unterschiedlich, wenn sie über längere Zeit innerlich aus dem Unterricht aussteigen, wenn sie dauerhaft unterfordert sind. Häufig lassen sich drei typische Grundmuster beobachten – doch in der Realität zeigen viele Kinder auch eine Mischung daraus. Und wenn die Belastung zu groß wird, kann sich der innere Druck entladen: manchmal direkt im Klassenraum, manchmal erst später zu Hause in der vertrauten Umgebung. 

1. Die Stillen

Sie ziehen sich innerlich zurück.
Sie machen nur noch das Nötigste.
Oft wirken sie angepasst – manchmal sogar „unauffällig“.

Doch innerlich verlieren sie langsam:
Motivation, Selbstvertrauen, Freude am Lernen.

Diese Kinder fallen im System häufig erst sehr spät auf.

2. Die Lauten

Andere Kinder reagieren mit Widerstand:

  • sie stören

  • diskutieren

  • verweigern Aufgaben

  • wirken unruhig oder provozierend

Oft steckt dahinter Frustration und Langeweile – nicht fehlende Fähigkeit.

Diese Kinder bekommen schneller Aufmerksamkeit.
Leider oft in Form von Kritik oder Strafen.

3. Der Klassenclown

Manche Kinder entwickeln Humor als Überlebensstrategie.

Sie unterhalten die Klasse, machen Witze oder lenken ab.

Das erfüllt zwei Funktionen:

  • Die Zeit vergeht schneller

  • Aufmerksamkeit ersetzt geistige Herausforderung

Doch auch hier bleibt ein zentrales Bedürfnis unerfüllt:
das Bedürfnis nach Entwicklung.

Diese Reaktionen sind selten Zufall oder „schwieriges Verhalten“. Sie sind Ausdruck eines inneren Spannungszustands, der lange aufgebaut wurde. Deshalb lohnt es sich, hinter das Verhalten zu schauen – denn oft zeigt ein Kind nicht, dass es nicht will, sondern dass es so nicht mehr kann.

Nicht jedes störende Kind hat ein Problem mit Disziplin.
Manche haben einfach zu wenig zu denken.

Der Alltag fühlt sich an wie ein extrem langweiliger Job

Stell dir kurz eine Situation vor:

Du hast einen Job, der extrem monoton ist. Kaum Entwicklung. Kaum geistige Bewegung.
Und trotzdem musst du: ständig Aktivität zeigen, dich beteiligen, bewertet werden, Prüfungen schreiben über Inhalte, die sich über Wochen ziehen.

Nach einiger Zeit passiert etwas ganz Natürliches: Dein Kopf schaltet auf Autopilot.

Fehler passieren.
Du wirst unaufmerksam.
Du verlierst Motivation.

Nicht, weil du unfähig bist. Sondern weil dein Gehirn unterfordert ist.

Viele Kinder erleben Schule genau so.

Unterforderung macht Kinder nicht dumm.
Sie bringt sie nur dazu, ihr Denken abzuschalten. 

Wenn Fehler bestraft werden, statt Ursachen zu verstehen

Wenn Kinder beginnen, innerlich abzuschalten, verändert sich oft auch die Qualität ihrer Arbeit. Fehler häufen sich, Aufgaben werden oberflächlicher erledigt, und die Konzentration wirkt brüchig. Doch statt zu fragen, warum das passiert, wird das Verhalten häufig als mangelnde Fähigkeit oder fehlende Anstrengung gedeutet – und genau hier beginnt ein Kreislauf aus Missverständnissen.

Besonders frustrierend wird es, wenn dann Folgendes passiert: Flüchtigkeitsfehler werden als mangelnde Fähigkeit interpretiert.

Kommentare wie:

  • „Du musst dich mehr konzentrieren.“

  • „Du arbeitest zu schlampig.“

  • „Du strengst dich nicht genug an.“

Doch das eigentliche Problem bleibt unerkannt:

Das Kind arbeitet längst auf Minimalenergie.

Dabei wären diese Fehler oft ein wichtiges Signal. Sie zeigen nicht unbedingt, dass ein Kind etwas nicht kann – sondern dass sein Denken längst nicht mehr wirklich beteiligt ist. Wenn wir nur die Fehler korrigieren, ohne die Ursache zu verstehen, übersehen wir die eigentliche Botschaft: Dieses Kind braucht nicht mehr Druck, sondern wieder echte geistige Beteiligung.

„Solche Kinder gibt es nicht.“

Diesen Satz höre ich immer wieder – in Gesprächen mit Eltern, in Schulen, manchmal auch in fachlichen Diskussionen. Dahinter steckt oft die Vorstellung, dass ein Kind, das wirklich mehr könnte, sich schon irgendwie durchsetzen würde: durch gute Noten, durch auffällige Leistungen oder durch sichtbare Motivation.

Doch die Realität ist oft viel leiser.

Viele dieser Kinder passen sich an. Sie lernen früh, nicht aufzufallen, Erwartungen zu erfüllen und einfach „mitzulaufen“. Nach außen wirkt alles zunächst unproblematisch: Das Kind stört nicht, sitzt ruhig da, erledigt seine Aufgaben mehr oder weniger zuverlässig.

Aber innerlich passiert etwas anderes.

In der Schule halten sie durch.
Zu Hause entlädt sich dann alles:

Wut.
Tränen.
Völlige Erschöpfung.

Der ganze angestaute Druck sucht sich einen Weg nach draußen.

Oder es geschieht etwas noch Stillers.

Das Kind zieht sich zurück.
Es wird ruhiger.
Unauffälliger.

Manchmal hören Kinder sogar auf zu erzählen, was sie wirklich denken oder fühlen. Sie spüren, dass ihre Erfahrung nicht richtig verstanden wird – und behalten sie deshalb für sich.

Und genau darin liegt die eigentliche Tragik:
Ein Kind, das ursprünglich neugierig, lebendig und voller Fragen war, beginnt sich Schritt für Schritt zurückzunehmen.

Nicht weil es weniger kann.
Sondern weil es gelernt hat, dass sein Denken keinen Platz findet.

Und manchmal verliert es dabei ein Stück von sich selbst.

Ein Kind, das im Unterricht abschaltet, hat oft schon lange versucht, mitzudenken.

Wenn Kinder still werden, sehen wir die Not oft zu spät.

Bei lautem Verhalten merken Eltern und Lehrkräfte schneller: Hier stimmt etwas nicht.

Jedoch nicht jedes Kind, dem es schlecht geht, macht Lärm.
Manche Kinder werden einfach still.

Doch stille Kinder rutschen oft durch.

Sie wirken angepasst.
Sie machen ihre Aufgaben.
Sie fallen nicht negativ auf.

Und genau deshalb wird ihre innere Not häufig erst sehr spät erkannt.

Gerade diese Kinder übersehen wir leicht, weil sie funktionieren und den Unterricht nicht stören. Doch Anpassung ist nicht immer ein Zeichen von Wohlbefinden – manchmal ist sie nur ein Versuch, mit einer Situation zurechtzukommen, die innerlich längst zu schwer geworden ist. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen, auch wenn nach außen alles ruhig wirkt. Denn wenn Kinder still werden, brauchen sie oft genau dann jemanden, der ihre Not erkennt.

Entwicklung ist kein Luxus

Entwicklung ist kein Luxus, in der Schule ist sie ein Grundrecht und die Daseinsberechtigung des Systems. Jedoch hängen die Chancen auf Entwicklung bei begabten Kindern viel zu stark vom Glück ab und viel zu oft ist Hochbegabung in unserem System zum Scheitern verurteilt. Warum das so ist und waru wird es als Luxusproblem betrachtet, erkläre ich hier kurz und knapp.

Ein häufiger Gedanke lautet:

„Das Kind kommt doch klar.“

Doch Entwicklung ist kein Bonusprogramm.

Sie ist ein Grundbedürfnis.

Kinder brauchen: geistige Bewegung, Herausforderungen, die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Und zwar in dem Tempo, das zu ihrem Denken und Fühlen passt.

Nicht irgendwann. Sondern jetzt.

Viele hochbegabte Kinder lernen zuerst, sich anzupassen –
und erst viel später, wieder sie selbst zu sein.

Eine wichtige Frage zum Schluss

Kennst du ein Kind, dem es genau so geht – vielleicht dein eigenes?

Reagiert es eher: laut oder still?

Beides sind mögliche Antworten auf dasselbe Problem. Und beides verdient Aufmerksamkeit.

Wenn du dich, dein eigenes Kind oder ein Kind aus deiner Klasse, aus dem Unterricht in diesem Text wiedererkennst: Du bist mit dieser Erfahrung nicht allein. Wichtig ist, dass du agierst, dass du dem Kind hilfst.

Zusammenfassung

Viele Kinder wirken im Unterricht unkonzentriert, verträumt oder machen Flüchtigkeitsfehler. Doch manchmal steckt dahinter nicht mangelnde Fähigkeit – sondern dauerhafte Unterforderung. Wenn der Kopf zu selten gefordert wird, schaltet er in einen Sparmodus: Manche Kinder werden laut, andere ziehen sich still zurück. Nach außen funktioniert noch vieles, doch innerlich verlieren sie Motivation, Freude am Lernen und Vertrauen in sich selbst. Entwicklung ist für Kinder kein Luxus, sondern ein grundlegendes Bedürfnis. Wenn du merkst, dass dein Kind sich im Unterricht immer mehr abschaltet, lohnt es sich genauer hinzuschauen. In meinem Coaching unterstütze ich Eltern dabei, Unterforderung zu erkennen und gemeinsam mit der Schule Wege zu finden, damit Kinder wieder lernen dürfen, wofür ihr Kopf gemacht ist.

Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

Auf meinem Blog schreibe ich über Hochbegabung, Höchstbegabung und Hochsensibilität – sowie über Wertschätzung, positive Entwicklungen im Schulsystem und neue Wege für Kinder. Wege, die wirklich zu ihnen passen.

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Wenn du beim Lesen gespürt hast, dass dein Kind mehr braucht – mehr Verständnis, mehr Tiefe, mehr Raum für Kreativität – dann bist du hier genau richtig.
Und vielleicht geht es nicht nur deinem Kind so, sondern auch dir.

In meinem 1:1 Coaching und Mentoring begleite ich Eltern hochbegabter, hochsensibler und intensiver Kinder dabei, Klarheit zu gewinnen, Herausforderungen zu verstehen und wirksame Lösungen zu entwickeln, die wirklich zu ihnen passen.

Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

Wenn du spürst, dass jetzt der richtige Moment ist, einen Schritt weiterzugehen, dann lade ich dich herzlich ein zu einem persönlichen 1:1 Coaching oder Mentoring mit mir.
Für dich. Für dein Kind. Für eure gemeinsame Zukunft.

Was du durch eine Zusammenarbeit mit mir gewinnst

  • Klarheit statt Zweifel: Du verstehst endlich, warum dein Kind so reagiert – und was es wirklich braucht.

  • Sicherheit im Handeln: Du lernst, wie du in Schule, Familie und Alltag souverän Entscheidungen triffst.

  • Mehr Leichtigkeit: Du erlebst, wie sich Konflikte entspannen, wenn du die Dynamiken dahinter erkennst.

  • Stärkung eurer Beziehung: Du gewinnst neue Wege, dein Kind auf Augenhöhe zu begleiten.

  • Individuelle Strategien: Keine Standardtipps – alles ist passgenau auf dein Kind und eure Situation ausgerichtet.

  • Wachstum für dich selbst: Du entwickelst dich als Elternteil weiter und gehst gestärkt aus diesem Prozess hervor.

Brzeska Malgorzata

Coaching und Mentoring mit Dr. Malgorzata Brzeska

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Warum Lehrer hochbegabte Kinder oft falsch einschätzen – und wie wir das ändern können? Wenn Stärke unsichtbar wird …

Warum Lehrer hochbegabte Kinder oft falsch einschätzen – und wie wir das ändern können? Wenn Stärke unsichtbar wird …

Warum Lehrer hochbegabte Kinder oft falsch einschätzen
Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

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Warum Lehrer hochbegabte Kinder oft falsch einschätzen – und wie wir das ändern können? Wenn Stärke unsichtbar wird …

Viele Eltern hochbegabter Kinder sprechen das Thema nicht aus Bequemlichkeit oder Ehrgeiz an – sondern aus Sorge. Sie sehen, wie ihr Kind im Unterricht still leidet, leiser wird, sich zurückzieht oder ins komplette Gegenteil kippt: überdreht, lacht viel, stört, wirkt „auffällig“. Beide Extreme haben denselben Ursprung: Das Kind sucht einen inneren Rückzugsraum, einen Safe Space, weil der Unterricht keine echte geistige Nahrung bietet.

Zu einfache Aufgaben sind für diese Kinder nicht harmlos – sie sind belastend. Sie führen zu innerer Unruhe, Abschalten, Selbstwertzweifeln und dem Gefühl, am falschen Ort zu sein.

Genau deshalb suchen Eltern das Gespräch mit der Schule:
Nicht um Druck zu machen, sondern um ihr Kind vor dauerhafter Unterforderung zu schützen – und gemeinsam Möglichkeiten zu finden, wie es wieder Freude, Tiefe und Sicherheit im Lernen erleben kann.

Leider zeigt die Erfahrung, dass diese Situation von vielen Lehrkräften noch immer nicht ernst genug genommen wird.

Unterforderung wird häufig unterschätzt, belächelt oder als „Luxusproblem“ behandelt. Doch für die betroffenen Kinder – und ihre Familien – ist es alles andere als harmlos.

Diese Erfahrung blieb auch uns als Familie nicht erspart.
Und wir sind damit nicht allein: Sehr viele Eltern melden sich genau aus diesem Grund bei mir zur Beratung. Sie sehen Tag für Tag, wie viel Schaden eine dauerhaft ungeeignete Lernsituation anrichten kann – wie ihr Kind leiser wird, sich zurückzieht, wütend wird oder langsam innerlich aufgibt.

Gerade deshalb liegt mir dieses Thema so am Herzen.
Ich möchte die Situation aus beiden Perspektiven beleuchten – aus Sicht der Eltern und aus Sicht der Lehrkräfte. Nicht, um Schuld zu zuweisen, sondern um Verständnis zu schaffen, Transparenz möglich zu machen und Wege zu finden, wie Schulen diese Kinder besser erreichen können.

Denn jedes nicht erkannte Potenzial, jeder verlorene Funke, jede zu spät gesetzte Förderung ist ein Verlust – für das Kind, die Klasse und letztlich auch für die Schule selbst.
Es ist Zeit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, damit Potenziale nicht weiter verloren gehen, sondern endlich gesehen werden.

Ich wünsche Ihnen eine gewinnbringende Lektüre und viel Erfolg dabei, die nächsten Schritte klar und konstruktiv zu gehen.

Dr. Małgorzata Brzeska

Starkes Kind

Es gibt eine Situation, die viele Eltern hochbegabter Kinder nur zu gut kennen und sie erleben sie oft immer und immer wieder. Ihr Kind ist nachweislich extrem stark in einem Fach, zum Beispiel Mathematik. Zu Hause löst es komplexe Aufgaben, stellt überraschende Fragen, denkt logisch, weit und schnell. Vielleicht zeigt es sogar Fähigkeiten, die deutlich über das Klassenniveau hinausgehen.

Doch im Unterricht sieht niemand davon etwas.
Das Kind wirkt unbeteiligt, träumt weg, kritzelt, liegt halb unter dem Tisch oder erledigt Aufgaben nur halbherzig. Und weil diese sichtbare Leistung fehlt, entsteht bei vielen Lehrkräften automatisch ein Zweifel:

„Kann das Kind wirklich so viel, wie die Eltern sagen?“

Statt Förderung, statt zusätzlicher Impulse oder eines Blicks auf mögliche Unterforderung kommt dann häufig dieselbe, fast reflexhafte Frage:

„Aber… macht es Ihrem Kind denn überhaupt Spaß?“

Für viele Eltern fühlt sich genau diese Frage wie ein Schlag in die falsche Richtung an.
Sie wissen, dass ihr Kind das Fach liebt. Sie wissen, wie begeistert es sein kann, wenn es sich wirklich mit anspruchsvollen Inhalten auseinandersetzt. Aber im Schulalltag, in diesem engen Korsett aus Wiederholungen, langsamem Tempo und fehlender kognitiver Herausforderung – natürlich macht es da im Moment keinen Spaß.

Doch wie erklärt man das, ohne dass es wie Rechtfertigung klingt?
Wie macht man deutlich, dass der fehlende Spaß nicht das Problem ist, sondern ein Symptom?

Denn:

  • Es liegt nicht daran, dass Mathematik für das Kind uninteressant wäre.

  • Es liegt nicht daran, dass die Eltern sich „irren“.

  • Es liegt nicht daran, dass das Kind keine Motivation hätte.

Sondern es liegt daran, dass das schulische Setting die Freude systematisch verhindert.

Ein hochbegabtes Kind, das geistig auf Entdeckung eingestellt ist, wird in einem Umfeld, in dem ständig Wiederholungen stattfinden, in dem Neues rar ist und in dem sein enormes Tempo ausgebremst wird, irgendwann aufgeben. Nicht aus Trotz. Nicht aus Faulheit. Sondern aus Selbstschutz.

Viele dieser Kinder brennen für ein Fach – aber Feuer braucht Nahrung.

Und genau diese Nahrung fehlt ihnen im Unterricht.

Deshalb ist die Frage „Macht es Ihrem Kind Spaß?“ für Eltern so schwer zu beantworten.
Weil sie zwei Realitäten miteinander vereint, die nichts miteinander zu tun haben:

  • Die Realität zu Hause, wo das Kind aufblüht, fragt, denkt, leuchtet.

  • Die Realität in der Schule, wo die Bedingungen so wenig passen, dass das Kind innerlich abschaltet.

Das Problem liegt also nicht in der fehlenden Freude.
Das Problem liegt darin, dass die schulische Umgebung keine Freude für dieses Kind zulässt.

Und genau das darf man Lehrkräften erklären – ruhig, klar und ohne Vorwurf:
Nicht das Kind oder die Eltern verursachen die fehlende Freude. Auch nicht die Lehrkraft. 
Sondern das Setting verhindert das, was eigentlich da wäre: Begeisterung, Kompetenz und echtes Lernen.

Eine Frage, die aus Sicht vieler Lehrkräfte logisch erscheint – aber gleichzeitig den Kern der Problems verfehlt. Denn natürlich macht es vielen dieser Kinder in diesem Moment keinen Spaß.
Aber nicht, weil Mathematik die nicht begeistert.
Sondern weil das schulische Setting ihnen den Zugang zur Freude systematisch nimmt.

Warum starke Kinder oft „nichts zeigen“?

Hochbegabte und besonders begabte Kinder funktionieren anders. Sie denken schneller, springen komplexer, verknüpfen intuitiver.
Doch in einem Setting, das auf Wiederholung, Verlangsamung und Gleichschritt ausgerichtet ist, passiert etwas Entscheidendes:

1. Wiederholungen bremsen das Denken aus

Was für andere Kinder nötig ist, wird für ein hochbegabtes Kind zur mentalen Bremse. Zu viel Wiederholung führt nicht zu besserem Verständnis – sondern zu innerer Abschaltung.

2. Unterforderung fühlt sich wie ein Fehler im System an

Viele Kinder erleben die Diskrepanz zwischen ihrem inneren Können und den äußeren Anforderungen als absurd. Warum sollten sie zehn Aufgaben rechnen, wenn sie nach einer alles verstanden haben?

3. Die Energie geht nach innen – nicht nach außen

Viele dieser Kinder ziehen sich zurück, liegen auf den Tischen, starren aus dem Fenster, kritzeln – alles Strategien, um mit einem Umfeld zurechtzukommen, das nicht für sie gemacht ist.

4. Leistung entsteht nur, wenn man gefordert ist

Ein Kind zeigt seine Stärke nicht, wenn ihm langweilig ist.
Genau wie ein Erwachsener in einem Job ohne Herausforderungen nicht glänzen wird.
Leistung entsteht aus Begegnung mit echter kognitiver Nahrung.

Viele dieser Kinder ziehen sich zurück, liegen auf den Tischen, starren aus dem Fenster, kritzeln – alles Strategien, um mit einem Umfeld zurechtzukommen, das nicht für sie gemacht ist.

Warum der Vorwurf an die Eltern ins Leere geht …

Viele Eltern hören in solchen Momenten Sätze wie:

  • „Zu Hause muss es Spaß machen, damit wir hier etwas aufbauen können.“
    „Machen Sie zufälligerweise nicht zu viel Druck zu Hause?“

  • „Vielleicht überschätzen Sie Ihr Kind?“

  • „Er/Sie zeigt es aber nicht im Unterricht.“

Doch diese Perspektive lässt etwas Wesentliches außen vor:

👉 Das Problem ist nicht der fehlende Spaß oder Druck zu Hause – es ist das fehlende passende Setting in der Schule.
👉 Ein Kind kann hochmotiviert sein – und gleichzeitig im Unterricht aussteigen.
👉 Was Lehrkräfte sehen, ist nicht das Können, sondern die Reaktion auf Unterforderung.

Viele Eltern erleben diesen Widerspruch schmerzhaft:
Ihr Kind blüht zu Hause auf, stellt Fragen, denkt groß und komplex – und im Klassenzimmer wirkt es wie „nicht bei der Sache“.

Ein Kind kann hochmotiviert sein – und gleichzeitig im Unterricht aussteigen.

Viele Methoden, die begabte Kinder wirklich unterstützen, helfen letztlich allen Kindern.

Wie ich Lehrkräften den Perspektivwechsel erkläre

Ich habe eine Formulierung entwickelt, die Türen öffnet, statt Fronten aufzubauen. Vielleicht hilft sie auch dir:

„Mein Kind brennt für das Fach – aber Feuer braucht Sauerstoff.
Momentan bekommt es im Unterricht keinen.
Wenn wir gemeinsam dafür sorgen, dass es herausgefordert wird, entsteht die Freude, die Sie sehen möchten. Aber Freude entsteht nach der Herausforderung, nicht davor.“

Damit nimmst du Lehrkräfte mit, ohne sie anzugreifen.

Weitere Sätze, die wirken:

  • „Erst Herausforderung – dann Motivation. Nicht andersherum.“

  • „Was Sie als Desinteresse wahrnehmen, ist eine Reaktion auf Unterforderung, nicht mangelnde Begabung.“

  • „Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, welche Aufgaben sein/ihr Denken aktivieren – dann wird die Leistung sichtbar.“

  • „Mein Kind zeigt zu Hause klare Kompetenz – ich wünsche mir, dass wir die Rahmenbedingungen schaffen, damit es diese auch hier zeigen kann.“

Was sich Lehrkräfte oft nicht bewusst machen

Viele Lehrkräfte möchten ihren Schülerinnen und Schülern wirklich helfen – sie möchten fördern, unterstützen und Potenzial entfalten. Doch häufig fehlt ihnen schlicht das notwendige Wissen, weil das System ihnen nur begrenzte Weiterbildung zu Themen wie Hochbegabung, Underachievement, asynchroner Entwicklung oder nicht-linearen Lernprofilen anbietet. Sie stehen täglich vor sehr heterogenen Lerngruppen, sollen allen gerecht werden und greifen dann oft auf die Erklärungsmodelle zurück, die ihnen zur Verfügung stehen.

Was sie sehen, ist meist Folgendes:
Ein Kind arbeitet nicht, wirkt unbeteiligt oder schaltet innerlich ab → also entsteht der Eindruck, das Kind sei unmotiviert, desinteressiert oder bringe von zu Hause zu wenig Unterstützung mit. In diesem Denkmuster scheint die Ursache eher im Umfeld oder im vermeintlich fehlenden Engagement des Kindes zu liegen.

Was sie jedoch häufig nicht sehen, ist:
Dieses Kind tickt anders. Es denkt schneller, komplexer, vernetzter – und deshalb funktioniert es nicht im Gleichschritt mit der Klassendynamik. Nicht, weil es nicht will. Sondern weil es aufgrund seiner besonderen Denk- und Wahrnehmungsweise oft gar nicht kann.

Wenn ein hochbegabtes oder weit entwickeltes Kind nicht in die vorgegebene Struktur passt, wird die Situation eher als Überforderung interpretiert: „Das Kind kommt nicht mit.“ Dass in Wirklichkeit eine massive Unterforderung die Ursache sein könnte – intellektuell, emotional oder im Tempo – wird viel zu selten in Betracht gezogen. Und genau hier entsteht die Diskrepanz, die für das Kind so belastend sein kann.

Worum es wirklich geht – Zusammenfassung

Das Ziel ist nicht, Lehrkräfte zu kritisieren oder ihre Arbeit infrage zu stellen.
Im Gegenteil: Viele von ihnen leisten jeden Tag Beeindruckendes – oft unter schwierigen Bedingungen, mit begrenzten Ressourcen und in ständig wachsenden Erwartungshaltungen. Die Absicht dieses Textes ist deshalb nicht, Defizite zu betonen, sondern die Aufmerksamkeit genau dorthin zu lenken, wo Veränderung möglich ist und wo sie unmittelbar positive Wirkung entfalten kann.

Es geht darum, Perspektiven zu öffnen – nicht Vorwürfe zu machen.
Es geht darum, gemeinsam besser hinzusehen – nicht Schuld zu zuweisen.
Und es geht darum, die Bedingungen zu schaffen, unter denen hochbegabte und weit entwickelte Kinder wirklich gedeihen können.

Dafür braucht es vor allem:

Mehr kognitive Aktivierung:
Kinder, die weit vorausdenken, brauchen Aufgaben, die ihr Denken fordern, nicht bremsen. Kognitive Aktivierung ist kein „Nice to have“, sondern ein zentrales Element, damit diese Kinder überhaupt in den Lernmodus zurückfinden.

Weniger Wiederholung:
Ständige Wiederholungen, ritualisierte Übungsphasen und langsame Progression wirken für viele dieser Kinder wie ein gedankliches Stoppschild. Weniger repetitives Lernen und mehr inhaltliche Tiefe würde ihnen erlauben, ihre Fähigkeiten konstruktiv einzusetzen.

Mut zur Akzeleration:
Viele Schulen scheuen den Schritt, ein Kind tatsächlich schneller lernen zu lassen, als es der Jahrgang vorsieht. Doch für manche Kinder ist genau das der Schlüssel: ein höheres Tempo, ein Level-Up, ein echter Entwicklungssprung, der sie wieder mit sich selbst verbindet.

Offenheit für individuelle Lernwege:
Nicht jedes Talent entfaltet sich im klassischen Lehrplan und schon gar nicht im Gleichschritt. Flexible Wege – sei es durch Projektarbeit, Vertiefungsthemen, Lernateliers oder niveauangepasste Aufgaben – eröffnen Chancen, ohne den Klassenverband zu destabilisieren.

Zusammenarbeit statt Schuldzuweisung:
Eltern und Lehrkräfte sind keine Gegenspieler. Beide wollen, dass das Kind erfolgreich ist und sich wohlfühlt. Wie viel leichter und wirksamer wäre es, wenn beide Seiten sich gegenseitig als Experten wahrnehmen würden – die Eltern für ihr Kind, die Lehrkraft für den Lernkontext.

Denn am Ende geht es genau darum, was uns alle verbindet:

Ein Kind, das wieder aufblüht.
Ein Kind, das wieder lernt.
Ein Kind, das wieder Spaß hat – weil es wachsen darf.

Nur wenn Schule, Elternhaus und Kind gemeinsam an einem Strang ziehen, entsteht der Raum, in dem echtes Lernen möglich wird – lebendig, freudig und voller Entwicklungspotenzial.

Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

Auf meinem Blog schreibe ich über Hochbegabung, Höchstbegabung und Hochsensibilität – sowie über Wertschätzung, positive Entwicklungen im Schulsystem und neue Wege für Kinder. Wege, die wirklich zu ihnen passen.

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Hochbegabte und weit entwickelte Kinder werden im Schulalltag oft missverstanden – nicht aus mangelndem Engagement der Lehrkräfte, sondern weil das System ihnen wenig Wissen zu asynchronen Lernprofilen, Underachievement oder kognitiver Unterforderung vermittelt. Viele Kinder wirken unbeteiligt, obwohl sie in Wahrheit weit vorausdenken. Dadurch entstehen Fehldeutungen, die weder für das Kind noch für die Lehrkraft hilfreich sind.

Doch genau hier liegt eine große Chance:
Mit mehr Wissen über Hochbegabung, mehr Verständnis für individuelle Lernwege und mehr Mut zu echter Differenzierung können Kinder wieder aufblühen – und Lehrkräfte spürbar entlastet werden. Denn viele Methoden, die begabte Kinder brauchen, helfen allen Kindern: bessere kognitive Aktivierung, weniger Wiederholung, mehr Eigenverantwortung und flexiblere Lernwege.

Ich schule die Schulen

  • Darum lade ich Schulen herzlich ein,
    Fortbildungen, Team-Schulungen und Workshops anzufragen.

    Gemeinsam können wir in kurzer Zeit sehr viel bewegen – wenn die Schule Einblicke in die „begabte Welt“ erhält und die Sorge ablegt, dass Förderung nur „für die Elite“ sei. Individualisierung und kluge Differenzierung sind kein Luxus. Sie sind die Zukunft guter Schule – und ein Gewinn für jedes Kind.

Dr. Małgorzata Brzeska

Brzeska Malgorzata

Coaching und Mentoring mit Dr. Malgorzata Brzeska

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Wenn Kreativität zur Last wird: Warum hochbegabte Kinder zwischen Ideenexplosion und Anpassungsdruck zerrieben werden.

Wenn Kreativität zur Last wird: Warum hochbegabte Kinder zwischen Ideenexplosion und Anpassungsdruck zerrieben werden.

Kreativität
Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

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Wenn Kreativität zur Last wird: Warum hochbegabte Kinder zwischen Ideenexplosion und Anpassungsdruck zerrieben werden.

Ich freue mich sehr, meinen Blog mit diesem besonderen Beitrag zu eröffnen. Ursprünglich habe ich den Artikel auf Einladung von Dina Mazzotti, einer wunderbaren Kollegin, geschrieben – damals hatte ich selbst noch keinen Blog. Dankenswerterweise durfte er auf ihrer Webseite veröffentlicht werden, und die Zusammenarbeit hat mir viel bedeutet.

Jetzt, einige Zeit später, möchte ich diesem Beitrag einen besonderen Platz auf meiner eigenen Webseite geben – als kleines Dankeschön für damals und für die wertvolle fachliche Freundschaft, die entstanden ist.

Seit der ersten Veröffentlichung sind auch einige neue Gedanken hinzugekommen. Deshalb lade ich dich herzlich ein, meinen Beitrag über Kreativität zu lesen. Vielleicht erkennst du darin das Verhalten deines Kindes wieder – oder vielleicht überrascht dich, wie einzigartig es ist. In jedem Fall hoffe ich, dass der Artikel dich inspiriert, die Kreativität deines Kindes noch bewusster wahrzunehmen und zu verstehen.

Kreativität ist ein ganz eigenes Kapitel, sobald wir über Hochbegabung, Höchstbegabung oder Hochsensibilität sprechen. Viele denken dabei zuerst an Malen, Musik oder Schreiben. Doch Kreativität kann in jedem Bereich aufleuchten – im Denken, im Problemlösen, im Verbinden von Ideen.

Gerade bei diesen Kindern ist Kreativität jedoch kein einfaches Talent, sondern ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus vielen inneren und äußeren Faktoren. Und genau diese besonderen Einflüsse erkläre ich in den folgenden Abschnitten:
Kreativität in der Begabtenwelt
Der innere Konflikt
Kreativität und Perfektionismus – ein rätselhaftes Duo
Kreativität in allen Bereichen des Lebens
Kreativität fordern – Beispiele
Kreativität herausfordern
Förderung und Forderung der Kreativität
Zusammenarbeit mit mir.

Kreativität in der Begabtenwelt

Um die Kreativität begabter Kinder zu fördern, ist es wichtig, zunächst die einzigartigen  Herausforderungen zu verstehen, mit denen sie konfrontiert sind. Diese Kinder denken oft  komplexer, hinterfragen mehr und sehen die Welt aus ungewöhnlichen Perspektiven. Ihre  Kreativität zeigt sich nicht immer in klassischen Formen wie Malen oder Basteln; oft  offenbart sie sich in ihrem einzigartigen Problemlösungsansatz oder in der Fähigkeit,  Querverbindungen zwischen scheinbar unverbundenen Themen herzustellen.

Es gibt jedoch kein universelles Rezept, um Kreativität zu fördern – weder bei allen Kindern  noch speziell bei hochbegabten. Jedes Kind ist einzigartig, und was bei einem funktioniert,  kann bei einem anderen frustrierend oder ineffektiv sein. Hochbegabte Kinder haben oft sehr  unterschiedliche Bedürfnisse. Sie können sich sowohl langweilen als auch überfordert fühlen,  und ihre Kreativität kann entweder blühen oder stagnieren. Daher erfordert es Geduld und ein  sensibles Gespür, um diesen Funken in ihnen zum Leuchten bringt, ohne ihn zu ersticken.

Kreativität umfasst Begriffe wie Einfallsreichtum, Ideenreichtum, Innovationsfähigkeit,  Vorstellungsvermögen, Originalität, kreatives Denken und Schöpfungskraft. Ihre Gegensätze  sind Stagnation, Routine, Monotonie, Gedanken- und Lustlosigkeit, Einfallsarmut und  Ideenlosigkeit.

Der erste Gedanke, der mir in den Sinn kommt, wenn ich über Kreativität bei begabten  Kindern nachdenke, ist ein Widerspruch. Während man zunächst an klassische kreative  Aktivitäten wie Malen oder Basteln denkt, fordert das Schulsystem oft das genaue Gegenteil:  Anpassung und Konformität. Dabei bräuchten diese Kinder Räume, in denen ihre Kreativität  und ihr Wissensstand frei entfaltet und gefördert werden.

Um die Kreativität begabter Kinder zu fördern, ist es wichtig, zunächst die einzigartigen Herausforderungen zu verstehen, mit denen sie konfrontiert sind.

Der Innere Konflikt

Ein gegensätzliches Phänomen ist der innere Konflikt zwischen der natürlichen Neugier und  Kreativität der Kinder und dem äußeren Druck zur Anpassung an vorgegebene, oft starre  Strukturen. Während diese Kinder tief in ihrer kreativen Welt versinken, in der sie Dinge  hinterfragen und neue Verbindungen herstellen, werden sie gleichzeitig in der Schule oder im  sozialen Umfeld dazu gedrängt, sich an konventionelle Methoden zu halten.  

Dieser Anpassungsdruck kann ihre Kreativität dämpfen, besonders wenn sie in einem starren  Bildungssystem agieren müssen, das wenig Raum für individuelle Ansätze lässt. Statt ihre  kreativen Fähigkeiten auszuleben, lernen sie, sich zurückzuhalten, um nicht aufzufallen oder  als „anders“ wahrgenommen zu werden.

Kreativität und Perfektionismus – ein rätselhaftes Duo

Kreativität und Perfektionismus bilden ein faszinierendes, aber oft widersprüchliches Duo. Kreativität erfordert Offenheit, Mut und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und Fehler als Teil des Prozesses zu akzeptieren. Sie gedeiht, wenn man loslässt, experimentiert und die Möglichkeit des Scheiterns umarmt. Perfektionismus hingegen strebt nach makelloser Leistung, nach Fehlerlosigkeit und Kontrolle. Perfektionistische Menschen fürchten oft Fehler oder das Nicht-Erreichen hoher Standards, was die kreative Entfaltung blockieren kann. Viele begabte Kinder haben hohe Ansprüche an sich selbst, was dazu führen kann, dass sie kreative Projekte gar nicht erst beginnen, aus Angst, diese könnten nicht den eigenen Erwartungen entsprechen. Während ihre Kreativität freies Experimentieren verlangt, kann Perfektionismus sie hemmen, weil sie unvollkommene Ergebnisse vermeiden möchten.

Diese Gegensätze – zwischen angeborener Kreativität und äußeren Anpassungszwängen sowie zwischen freiem kreativen Ausdruck und perfektionistischen Tendenzen – sind zentrale Herausforderungen für begabte Kinder.

Es ist für viele Eltern unglaublich schwer, diesen inneren Konflikt mitzuerleben, wenn ihre Kinder – sei es durch äußere Einflüsse oder ihren eigenen Perfektionismus – beginnen, sich zurückzuziehen und auf der „Wartespur“ zu verharren. Dabei geht es nicht nur um die verlorene Zeit, sondern auch um das psychische Wohlbefinden des Kindes. Die ständige Unterforderung und das Gefühl, nicht verstanden zu werden, können langfristige Auswirkungen auf die emotionale Gesundheit haben. Eltern fühlen sich oft hilflos, da sie spüren, dass mehr auf dem Spiel steht als nur schulische Leistungen – es geht um das innere Gleichgewicht und das Selbstwertgefühl ihrer Kinder.

Der Schlüssel liegt darin, einen Balanceakt zu finden, bei dem beide Seiten harmonieren und sich gegenseitig befruchten, anstatt sich zu behindern.

Viele begabte Kinder haben hohe Ansprüche an sich selbst, was dazu führen kann, dass sie kreative Projekte gar nicht erst beginnen, aus Angst, diese könnten nicht den eigenen Erwartungen entsprechen. 

Kreativität in allen Bereichen des Lebens

Kreativität beschränkt sich nicht nur auf kognitive, künstlerische, technische oder  unternehmerische Aktivitäten. Sie spielt auch im Alltag, in sozialen Interaktionen und  im emotionalen Umgang eine zentrale Rolle. Es ist wichtig, dass wir als Eltern sensibel  für diese vielfältigen Ausdrucksformen sind und sie bewusst wahrnehmen. Denn  Kreativität zeigt sich oft in unerwarteten Momenten.

Kinder sind nicht nur im Denken, sondern auch in ihrem Verhalten ausgesprochen kreativ.  Eine Mutter erzählte mir kürzlich von einer Situation mit ihrem Sohn: Er wurde gebeten,  seine Arme zum Abtrocknen zu heben. Anstatt die Arme einfach zu strecken, stellte er sich grinsend auf die Zehenspitzen und rief: „Jetzt sind meine Arme höher!“ Dieser kleine  Moment zeigt, wie kreativ Kinder mit alltäglichen Anweisungen umgehen können.

Ähnliches habe ich bei meinem eigenen Kind während einer Physiotherapie erlebt. Die  Aufgabe bestand darin, einen Turm aus Blöcken so hoch wie möglich zu bauen. Statt wie  erwartet aufzustehen, um die obersten Blöcke zu erreichen, entschied mein Kind, den Turm  in der Mitte zu teilen und fügte dort die neuen Blöcke ein – so wuchs der Turm weiter, ohne  die klassische Methode zu verwenden. Und das bei einem Kind, das noch nicht einmal zwei  Jahre alt war! Solche Beispiele verdeutlichen, dass hochbegabte Kinder oft schon in sehr  jungen Jahren unkonventionelle Lösungswege finden und ihre Welt auf originelle und  kreative Weise gestalten.

Diese kleinen Geschichten erinnern uns daran, dass Kreativität nicht immer spektakulär oder aufwändig sein muss – sie steckt oft in den alltäglichen Handlungen unserer Kinder und  verdient besondere Beachtung.

Viele Methoden, die begabte Kinder wirklich unterstützen, helfen letztlich allen Kindern.

Kreativität fordern – Beispiele

Wenn man über Kreativität nachdenkt, denkt man oft zuerst an klassisch kreative Aktivitäten  wie Malen, Musizieren, Basteln oder später auch Konstruieren. Doch Kreativität steckt auch  in den alltäglichen Momenten – und genau hier möchte ich ansetzen. Als Eltern müssen wir  nicht immer große Projekte planen, um die Kreativität unserer Kinder zu fördern. Oft sind es

die kleinen, spielerischen Ideen, die im Alltag für Freude sorgen und das kreative Potenzial  entfalten.

Hier ein paar einfache Möglichkeiten, Kreativität ganz leicht in den Alltag zu integrieren:

1. Reime erfinden: Mit deinem Kind Reime bauen – dabei könnt ihr echte Wörter  verwenden oder mit kleinen Kindern Lautmalerei ausprobieren, zum Beispiel mit  „bam bam“, „tam tam“, „ram ram“ „sam sam“. Auch wenn es erst komisch klingt,  entstehen mit solchen Lauten oft lustige und kreative Momente, die viel Spaß  machen.

2. Gemeinsam Geschichten erzählen: Jedes Familienmitglied sagt abwechselnd einen  Satz, und ihr schaut, wohin euch die Geschichte führt. So entstehen oft die  unerwartetsten und lustigsten Erzählungen.

3. Spiele im Auto: Das klassische „Ich sehe was, was du nicht siehst“ kann zu „Ich  denke was, was du nicht ahnst“ umgewandelt werden. Hierbei können die anderen  Mitspieler nicht nur sichtbare Dinge erraten, sondern auch Gedanken zu Büchertiteln,  Gefühlen oder Charaktereigenschaften. Die Spieler stellen Fragen, die mit „ja“ oder  „nein“ beantwortet werden.

4. Kreativität in der Küche: Lasst eure Kinder in der Küche experimentieren, neue  Geschmacksrichtungen entdecken oder zum Beispiel ein kreatives Brot oder einen  fantasievollen Obstteller nach ihren Vorstellungen gestalten – natürlich unter eurer  Aufsicht.

5. Mit Kleidung experimentieren: Lasst euer Kind verrückte Kombinationen  ausprobieren und sich lustig oder fantasievoll verkleiden.

6. Rollenspiele mit verstellten Stimmen: Spielt gemeinsam Rollenspiele und passt eure  Stimmen den Charakteren an, die ihr verkörpert.

7. Fantasiespaziergänge: Während eines Spaziergangs könnt ihr euch vorstellen, in  einer Fantasiewelt zu sein – vielleicht im tiefen Dschungel oder auf einem fremden  Planeten. Lasst euer Kind entscheiden, welche Abenteuer ihr dabei erlebt.

8. Kindern Raum für ihr Spiel geben: Lasst euch von eurem Kind zum Spielen  einladen und spielt nach seinen Vorstellungen mit.

Dies sind nur einige Beispiele, wie man ganz einfach Kreativität in den Alltag integrieren  kann. Sobald ihr damit beginnt, werdet ihr sicher viele weitere kreative Ideen entdecken, die  euren Alltag bereichern und den Kindern ermöglichen, ihre Fantasie auszuleben.

Die Förderung und Forderung der Kreativität bei begabten Kindern besondere Aufmerksamkeit verdient, da sie oft deutlich stärker unter Anpassungsdruck leiden

Kreativität herausfordern

Begabte Kinder benötigen nicht nur Unterstützung, sondern auch gezielte  Herausforderungen, um ihr kreatives Potenzial vollständig zu entfalten. Während  „Fördern“ bedeutet, ihre kreative Entwicklung zu unterstützen und ein Umfeld zu  schaffen, in dem sie sich entfalten können, geht es beim „Fordern“ darum, ihre  Fähigkeiten aktiv herauszufordern, um ihr kreatives Denken weiter zu stärken.

Gerade für begabte Kinder, die in der Schule oft unter Langeweile oder Anpassungsdruck  leiden, ist es besonders wichtig, dass sowohl Förderung als auch Forderung gezielt und  differenziert angegangen werden. Hier sind einige Ansätze, die helfen können, die Kreativität  von begabten Kindern zu fördern und zu fordern:

1. Individuelle Interessen unterstützen: Ermutige Kinder, ihren eigenen Interessen und Leidenschaften nachzugehen. Dies  bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Kreativität in einem Bereich auszuleben, der sie  wirklich begeistert. Projekte außerhalb des Schulalltags, wie künstlerische,  wissenschaftliche oder handwerkliche Aktivitäten, bieten eine wertvolle Ergänzung  und fördern ihre kreative Ausdruckskraft.

2. Raum für freies Denken schaffen: Begabte Kinder sollten die Gelegenheit haben, außerhalb der starren Strukturen des  Schulalltags frei zu denken und zu experimentieren. Offene Aufgabenstellungen, bei  denen es keine „richtigen“ Antworten gibt, fördern das divergente Denken und  ermutigen sie, alternative Lösungswege zu entwickeln.

3. Mentoren und Vorbilder: Die Zusammenarbeit mit Mentoren, die das Potenzial des Kindes erkennen und  gezielt fördern, ist von unschätzbarem Wert. Mentoren helfen dabei, kreative Ansätze zu entwickeln, die nicht durch schulische Normen und Erwartungen eingeschränkt  sind. Vorbilder aus unterschiedlichen kreativen Bereichen (Kunst, Wissenschaft,  Literatur) können zusätzlich motivieren und inspirieren.

4. Alternative Bildungsangebote nutzen: Wenn der reguläre Schulunterricht die kreative Entfaltung behindert, kann es hilfreich  sein, alternative Bildungsangebote in Betracht zu ziehen. Spezielle Kurse,  Sommerakademien oder außerschulische Programme, die auf die Bedürfnisse  begabter Kinder abgestimmt sind, bieten oft mehr Freiheit und Herausforderungen,  um ihre kreativen Fähigkeiten zu entwickeln.

5. Freiraum für Langeweile schaffen: Auch wenn Langeweile oft negativ wahrgenommen wird, kann sie ein wichtiger  Katalysator für Kreativität sein. Gib den Kindern die Möglichkeit, sich gelegentlich  zu langweilen, und ermutige sie, kreative Wege zu finden, um diese Zeit zu füllen.  Dies fördert Selbstständigkeit und Problemlösungsfähigkeiten.

6. Anpassungsdruck hinterfragen 

Viele begabte Kinder fühlen sich gezwungen, sich anzupassen, um nicht aufzufallen.  Es ist wichtig, ihnen zu vermitteln, dass Anderssein und Kreativität wertvoll sind.  Durch Gespräche über Individualität und die Bedeutung eigener Ziele können sie  darin bestärkt werden, sich selbst treu zu bleiben und ihre kreativen Potenziale ohne  Anpassungsdruck zu leben.

7. Differenzierte Lernumgebungen schaffen 

Im schulischen Kontext ist es entscheidend, dass Lehrkräfte geschult werden, um  begabte Kinder differenziert zu fördern und herauszufordern. Kreative Aufgaben, die  über das reguläre Curriculum hinausgehen, wie anspruchsvolle Projekte, regen das  kreative Denken an und beugen Langeweile vor. Konzepte wie „Design Thinking“  oder interdisziplinäre Projekte können ebenfalls die Kreativität fördern.

8. Selbstständigkeit und Verantwortungsübernahme fördern 

Kreativität erfordert oft ein hohes Maß an Selbstständigkeit. Indem man den Kindern  mehr Verantwortung für eigene Lernprojekte überträgt, stärkt man nicht nur ihre  Kreativität, sondern auch ihr Selbstbewusstsein. Sie können eigene Forschungsfragen  entwickeln, die sie interessieren, und diese in einem kreativen Prozess eigenständig  bearbeiten.

Förderung und Forderung der Kreativität – Zusammenfassung

Abschließend lässt sich sagen, dass die Förderung und Forderung der Kreativität bei begabten Kindern besondere Aufmerksamkeit verdient, da sie oft deutlich stärker unter Anpassungsdruck leiden, was die Situation besonders schwierig macht. Gleichzeitig ist  es faszinierend zu sehen, dass die Methoden, die für begabte Kinder hilfreich sind,  auch anderen Kindern zugutekommen können – so profitieren letztlich alle. Passend  dazu ein Zitat von Albert Einstein: „Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat.“  Kreativität bietet Kindern die Möglichkeit, spielerisch ihre Potenziale zu entfalten und  neue Wege zu beschreiten. Also vor allem: „Habt Spaß!“

Brzeska Malgorzata

Hallo, ich bin Dr. Małgorzata Brzeska.

Auf meinem Blog schreibe ich über Hochbegabung, Höchstbegabung und Hochsensibilität – sowie über Wertschätzung, positive Entwicklungen im Schulsystem und neue Wege für Kinder. Wege, die wirklich zu ihnen passen.

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Brzeska Malgorzata

Coaching und Mentoring mit Dr. Malgorzata Brzeska

Wenn Kreativität spielen darf, entsteht Wachstum. Wenn sie sich anpassen muss, verstummt sie. Unsere Kinder verdienen Räume, in denen ihr Denken frei sein darf.

Kreativität und Anpassungsdruck sind Gegensätze:
Wo Kinder sich verbiegen müssen, verlieren wir ihre größten Ideen.
Wo sie spielen dürfen, entsteht Zukunft.

Dr. Małgorzata Brzeska

Viele Methoden, die begabte Kinder wirklich unterstützen, helfen letztlich allen Kindern. Deshalb kann man nicht behaupten, dass es sich bei Hochbegabung um ein Elitethema oder ein Luxusproblem handelt.

Die Realität ist: Begabte Kinder leiden oft so stark unter Unterforderung, dass andere Kinder schneller vorankommen – während ihr eigenes Potenzial ungenutzt bleibt. Dadurch verlieren wir als Gesellschaft genau jene besonderen Denker, die so viel bewegen könnten.

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